Grannenwarnung
Bitte nehmt Euch Zeit dies zu lesen.
Aus gegebenem Anlass möchte ich alle warnen, dass gerade wieder Grannenzeit ist. Grannen sind Blütenstande von Getreide und Gräsern, die wie bei der Mäusegerste zum Teil sehr hart sind und leicht abbrechen. Insbesondere nach längerer Trockenheit ist die Gefahr für unsere Hunde sehr groß, sich diese Grannen einzutreten. Die Grannen bleiben im Fell zwischen den Zehen hängen und der Hund schiebt sie sich beim Laufen in die Zwischenzehenräume, was zu Abszessen führt und leider haben die Grannen aufgrund ihrer Beschaffenheit auch die Tendenz zu wandern, sodass am Fuß eingetretene Grannen bis zum Sprunggelenk und weiter aufsteigen können können. Bei wandernden Grannen kann der Hund Fisteln aufweisen, aus denen sich Eiter entleert. Grannen finden sich auch in den Ohren, in den Augen und man hat schon welche als Ursache von Entzündungen in der Gebärmutter oder der Blase gefunden. Im Extremfall kann der Hund die Zeichen einer Sepsis ( Blutvergiftung ) aufweisen. Auf jeden Fall braucht es oft Zeit und Geduld bis man die Grannen findet. Und mit diesen Problemen immer den Tierarzt konsultieren.
Zum gegebenen Anlass noch ein paar Worte. Bei einem Hund aus einem unserer Würfe fiel plötzlich auf, dass er zwischen den Zehen der Vorderfüße und eines Hinterfußes Wunden aufwies, die nicht verheilten und immer wieder bluteten. Der Hund leckte sich die Haut an den Füßen wund und biss sich zwei Krallen ab. Das Sprunggelenk am rechten Hinterlauf schwoll an und war extrem schmerzhaft, wenn man es berührte. Er bekam Fieber, wurde matt und lustlos und wollte keine Spaziergänge mehr machen, nicht mehr spielen. Er bekam Antibiotika, aber nichts besserte sich. Immer wieder neue Wunden, immer blutiges Sekret austretend. Der Hund hörte auf zu fressen und zuletzt verweigerte er auch das Trinken. Er magerte ab und schlief sehr viel.
Unser Tierarzt, dem der Hund vorgestellt wurde, stellte beim Anblick der Wunden den Verdacht auf Fremdkörper und er lag genau richtig. Die erste Granne wurde sofort aus der Hinterpfote entfernt. Bei einer kleinen OP in Narkose, die zwei Tage später stattfand, entfernte er 2 weitere riesige Grannen aus der Hinterhand ( leider haben wir verpasst sie zu fotografieren). Zwischen den Zehen des Vorderfußes fanden wir zwei Grannen an verschiedenen Stellen. Bei den nächsten Besuchen entfernte der Tierarzt die 4 unten abgebildeten Fremdkörper an drei verschiedenen Stellen. Einzelne Grannenhaare gar nicht mitgezählt. Alle diese Wunden heilten danach problemlos ab.
Blieb da noch das geschwollene Sprunggelenk, das einfach nur dick war und ohne
Wunde. Unser Tierarzt gab den geschorenen Fuß zur "Zungenmassage" frei ;o) und
nach ein paar Tagen stellte sich eine kleine Fistelöffnung dar, aus der die
unten abgebildete Granne (Nr.8 ) auf leichten Druck mit einem Schwapp Eiter
rausflutschte. Nun wird die Zeit zeigen, ob dies die letzte war und er wieder
völlig wiederhergestellt ist.
Der Bub ist auf dem Wege der Besserung, hat 2,5 kg zugenommen, ist ein lustiger, spielfreudiger und total verschmuster Bursche. Die hoffentlich letzte Granne wurde vor zwei Tagen entfernt. Er hat gesundheitlich keine weitern Probleme, weder Durchfall noch andere Krankheitszeichen.
Nun stellt sich die Frage, wie man dies verhindern kann. Man sollte das Fell zwischen den Zehen kürzer halten, die Füße gerade nach einem Spaziergang in der trockenen Jahreszeit, kontrollieren. Bitte keine Zerr- oder Wurfspiele auf ausgedörrten Wiesen oder abgeernteten Feldern, irgendwo findet sich bestimmt eine saftige Wiese oder ein Waldweg. Auch nassmachen der Füße soll ganz gut helfen. Bitte auch mal in die Ohren schauen. Und bei dem Verdacht immer gleich zum Tierarzt gehen.
Wir selbst wurden das erste Mal mit dem Grannenproblem konfrontiert und habe viele, z.T. auch ernüchternde Erfahrungen gesammelt.